Nachruf für Professor Hans-Joachim Körner

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Am 7. September 2003 starb Prof. Hans-Joachim Körner, emeritierter Ordinarius für Experimentalphysik der TU München, ein international renommierter Kernphysiker, im Alter von 69 Jahren in München.

Hans-Joachim Körner ist am 4. September 1934 in Dresden geboren und machte 1953 sein Abitur in Hamburg. Er studierte Physik an der Universität Hamburg und promovierte 1963 bei seinem berühmten Lehrer Prof. W. Jentschke mit Messungen magnetischer Momente angeregter Kernzustände, eine Pionierarbeit. Als Leiter der Kernspektroskopiegruppe habilitierte er sich 1965 mit einer Arbeit über magnetische Momente angeregter Kerne. Als Abteilungsvorsteher kam er 1966 an das Physik-Department der TH München und wurde international bekannt mit Anwendungen des Mößbauer-Effekts auf kernphysikalische Probleme und kernspektroskopischen Studien. Nach Forschungsaufenthalten am Lawrence Radiation Laboratory in Berkeley, am MPI für Kernphysik Heidelberg und Argonne National Laboratory mit vielseitigen Kernstruktur Untersuchungen und dem Schwerpunkt Schwerionen induzierte Reaktionen, wurde er 1972 als Ordinarius für Experimentalphysik an das Physik- Department der TU München berufen.

Hans-Joachim Körners wissenschaftliche Aktivitäten konzentrierten sich ab 1972 auf das Studium von Schwerionen Reaktionen am Tandem des Beschleunigerlabors der LMU und TUM, des UNILAC der GSI Darmstadt und bei verschiedenen Gastaufenthalten am Argonne National Laboratory, am Brookhaven National Laboratory, am Lawrence Berkeley Laboratory an deren Beschleunigeranlagen. Verbunden mit den experimentellen Untersuchungen diverser Kernreaktionsmechanismen insbesondere der Vielteilchen-Transfer-Reaktionen waren apparative Entwicklungen von Nachweismethoden für Teilchen und Gammastrahlung sowie kinematischer Koinzidenztechniken.

Ab 1984, der Beginn der Beurlaubung seines Kollegen Prof. P. Kienle an die GSI, übernahm Herr Körner die alleinige Leitung des Teilinstituts E12 bis kurz vor seiner Emeritierung, 2002. In dieser Zeit wurden von E12 ein umfangreiches und sehr erfolgreiches Experimentierprogramm an der GSI, ab 1990 mit der neuen Beschleunigeranlage SIS-ESR, am HASYLAB bei DESY, an ISOLDE am CERN und am Zyklotron in Indiana, USA durchgeführt. An dem Münchner Beschleunigerlabor wurden neue anwendungsrelevante Methoden entwickelt wie Beschleunigermassenspektroskopie, Schwerionen-gepumpte Laser und Analytik mit Ionenstrahlen, die zu hochinteressanten Anwendungen führten und das Beschleunigerlabor weltweit als einmaliges Zentrum für interdisziplinäre Forschung mit Ionenstrahlen bekannt machte.

Die vielseitige und umfangreiche Forschungstätigkeit von Kollege Körner findet man in 157 Original Veröffentlichungen in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften und in über 80 Konferenzbeiträgen eindrucksvoll dokumentiert. Zur Lehre trug er, mit Zinth, als Koautor das Buch Physik III, Optik, Quantenphänomene und Aufbau der Atome, erschienen im Oldenburg Verlag, bei. Zum wertvollsten was Hans-Joachim Körner hinterlässt, gehört eine große Zahl von Diplomphysikern, sowie promovierten und habilitierten Wissenschaftlern, die mit ihrer exzellenten Ausbildung von seinem Engagement als Lehrer zeugen.

Hans-Joachim Körner genoss große Wertschätzung bei seinen Kollegen an der Hochschule, wie auch in der internationalen Gemeinschaft der Wissenschaftler. Durch seine intensive Arbeit in vielen nationalen und internationalen Kommissionen und Ausschüssen hat er die wissenschaftliche Landschaft stark mitgeformt. Er diente als Dekan der Fakultät für Physik und war Mitglied des Senats der TUM (1980-82). Er leitete das Institut für Kern- und Nukleare Festkörperphysik (1974-76) und war mehrere Perioden Direktor und stellvertretender Direktor des Beschleunigerlabors. Hans-Joachim Körner war Mitglied vieler Kommissionen der Hochschule und seiner Fakultät, der Kommission für Informatik d. Bay. Akademie d. Wissenschaften, der Programmkomitees auswärtiger Beschleunigerzentren, der Beratungsgremien des BMFT und DFG, der Preiskomitees der DPG sowie deren Fachausschussleiter und des Fachbeirats des MPI für Plasmaphysik.

Es war eine große Freude mit ihm zu arbeiten, als Student, Wissenschaftler und Kollege. Sein Wirken und Name bleibt in dankbarer Erinnerung in unserer Fakultät und der internationalen Gemeinschaft der Kernphysiker.

P. Kienle
R. Krücken